17. Oktober – Bangalore Express Oktober 17, 2007
Posted by Mareike in Bangalore, Indien.trackback
Am Wochenende waren wir mit Elika in Bangalore, oder Benaluru, was soviel wie gebackene Bohnen bedeutet. Unsere erste Zugfahrt! Wir hatten das sleeper’s gebucht, also ein Wagon mit Schlafpritschen, aber da die Zugfahrt über Nacht war, gab es nur solche Wagons. Wir sind von Hyderabad Kacheguda gegen 18 Uhr losgefahren und waren gegen 6:30 Uhr in Bangalore, also eine Zugfahrt von ca. zwölf Stunden. Die Zeit ist aber relativ schnell verflogen, auch weil man nachts dösen oder schlafen konnte. Der Wagon hatte keine Abteile im eigentlichen Sinn, es war alles offen; ganz rechts außen war eben ein Gang, und zur linken Seite waren sechs Plätze und zur rechten Seite drei bzw. zwei Plätze. Ich sage drei Plätze weil oben die fest-installierte Pritsche war, plus zwei Sitze unten, die aber dann zu einem Bett umgeklappt wurden, aber auf der Hinfahrt saß unten je ein Inder, die dann im Sitzen geschlafen haben. Ich hatte das Glück ganz oben zu schlafen, dank Elika hatten wir auch eine Decke mit; nachts wurde es aber etwas kalt, nächstes Mal muss ich mir Socken mitnehmen. Die Pritschen waren etwas eklig, leicht klebrig und ziemlich hart- aber da man sowieso die ganze Nacht über durchgeschüttelt wird und es noch sehr laut ist, macht das auch nicht mehr viel XD Selbst morgens um drei sind die Chay- und Kaffeeverkäufer durch den Wagon gelaufen, und haben sich mit „Chay! Chaye!“-Rufen bemerkbar gemacht ^^ Im Zug konnte man fast alles kaufen, es gab Wasser, dann Kaffee und Tee, Eiskreme, Chipse und ein Abendessen, letzteres musste man aber gegen 19 Uhr ungefähr bestellen; das Essen wurde dann gegen 21 Uhr serviert, es gab vegetarisches Biryani. Danach war dann auch Schlafenszeit, jedes Abteil hat einen eigenen Lichtschalter, aber unsere Sitznachbarn, eine Familie mit einem kleinen Mädchen von sieben Jahren oder so, wollte schon gegen neun schlafen, aber das Licht blieb natürlich an, weil das Essen ja noch nicht serviert war. Inder schlafen übrigens sehr gerne mit der gesamten Decke über den Kopf gezogen, und es gibt keine Müllbehälter im Zug, der Müll wird aus dem Fenster geworfen, einfach schlimm. Wir haben unseren Müll natürlich gesammelt. Übrigens habe ich auf den Bahnhöfen echte indische Kofferträger gesehen, rot gekleidet mit einem kleinen roten Turban, auf den dann Koffer etc. geladen werden.
Als wir dann in Bangalore waren, haben wir uns einen Rikschafahrer geschnappt (es lauerten erwartungsgemäß viele am Bahnhof), der aber sehr nach Alkohol gestunken haben soll (ich habe das nicht bemerkt, aber ich stand auch nicht in seiner unmittelbaren Nähe), aber wir sind heil an unserem Hostel angekommen. Die Rikschas in Bangalore sind etwas anders als in Hyderabad, unten sind sie schwarz angepinselt, während in Hyderabad alle durchgehend gelb sind, der Meter startet bei zwölf und nicht bei zehn Rupien und er zählt dann in 50-Paise und nicht in 20-Paise Schritten hoch. In der Rikscha gibt es dann ein Schild mit Details über den Fahrer, also Name, Wohnort etc, das gibt es in Hyderabad auch nicht. Unsere Unterbringung war in einem christlichen College, das aber sehr gut gepflegt war, wenn ich da an unsere schöne Uni denke XD Es gab warmes Wasser aus der Leitung! Luxus! Das Zimmer war okay, sauber, aber nur zwei Betten; die wir dann zusammengeschoben haben und zu dritt darin geschlafen haben ^^ Wir haben dann erstmal gefrühstückt, es gab sehr leckere Puris, so eine Art kleines, dünnes Fladenbrot, die aber anders zubereitet werden (es gibt z.B. Chapatti oder Roti, Naan, und Puri… sehr verwirrend).
Um zehn Uhr sind wir dann los, zuvor kam noch Pito, Elikas jüngerer Bruder, der seinen Master of Divinity macht (so eine Art Theologie), zu uns. Zusammen sind wir dann shoppen gefahren, und zwar in eine riesige Mall, das Forum. Ich habe mir wieder neues Hindimaterial geholt und Postkarten, zusammen ca. 1100 Rupien (gegen 20 Euro), und konnte dabei meine Kreditkarte erfolgreich einsetzen ^^ Gegen zwölf Uhr haben wir noch einen Film gesehen, Resident Evil: Resurection und zwar auf der größten Leinwand die ich bisher gesehen habe (das IMAX vllt. ausgenommen), die Karten haben aber auch satte 200 Rupien gekostet, aber der Film war schon ein Erlebnis. Danach haben wir uns Laalbagh (der rote Garten) angesehen, was eine richtige Erholung war, leider haben die Rosen nicht geblüht, denn dafür ist der Park bekannt. Danach sind wir zur Commercial Street und haben weiter eingekauft, diesmal Schuhe (habe zwei Paar Flipflops für 320 Rupien bekommen), dann waren wir auch im Magazine, einem Laden der nur Zeitschriften verkauft und normalerweise sind ganz viele Katzen darin, aber die Katzen hatten – einen wahrscheinlich wohlverdienten – Urlaub. Bangalore ist schon sehr westlich, vor allem sieht man das Geld, das in der Stadt gemacht wird, es gibt z.B. Bürgersteige und die Straßen sind geteert (also keine Staubpisten mit riesigen Schlaglöchern), und einmal habe ich sogar einen Fahrradweg gesehen. Der Tag war ziemlich anstrengend, weshalb wir gegen zehn Uhr ins Bett gefallen sind.
Am Sonntag haben wir dann eine kleine Touristentour gemacht, am Samstagabend hatten wir uns einen Fahrer bestellt, der uns dann vier Stunden lang für 400 Rupien herumgefahren hat; wir haben uns die Sehenswürdigkeiten, die im neuesten Lonely Planet aufgeführt waren angesehen, das heißt den Tempel, der Nandi (ich glaube das war Shivas Reittier) geweiht war. Zum Verhalten in Tempeln; 1. Schuhe ausziehen, 2. Fragen ob man fotografieren darf; zweiteres habe ich im Nanditempel übernommen, ich habe den Brahmanen gefragt, der am Fuße der Bullenstatue lag und ehe ich mich versah habe ich ein rotes Tikka (Stirnmal) bekommen, dann sollte ich irgendwas mit einer brennenden Lampe machen, aber ich war leicht geschockt weshalb ich erstmal dankend abgelehnt habe XD Die Lampe ist aber dazu da, dass man sich die Wärme der Flamme „zuwedelt“, dazu umschließt man die Flamme grob mit beiden Händen und führt dann die Hände zum Kopf. Überaus interessant. Unser Psyschobrahmane war aber sehr freundlich und hatte wohl nachsehen, die Brahmanen im Tempel waren richtig hellhäutig, weiß gekleidet mit der Gebetsschnur um die Schulter.
Dann waren wir noch in Tippus Palast, das Ding war nicht sehr spektakulär, eigentlich nur ein größeres Holzhaus; Inder zahlen 5 Rupien, wir mussten 100 pro Person bezahlen, dafür haben wir illegalerweise Fotos gemacht ^^ Es gab auch einen kleinen Raum über das Leben Tippus, dort war eine alte Frau im Sari, die uns mit Namaste und gefalteten Händen begrüßt hat, da konnte ich den Gruß das erste Mal in Indien erwidern XD Normalerweise machen das die Inder nicht, nur bei förmlichen Anlässen oder wenn es sowieso ältere Menschen sind. Eigentlich schade, dass diese Geste langsam verloren geht.
Gegen vier Uhr waren wir dann wieder am Bahnhof; seine Plätze im Zug findet man übrigens erst am Zug selber, am Wagon hängt dann Papier auf dem der Name und die jeweilige Platznummer steht; wir sind kostenlos hochgestuft worden, und in den teueren Wagon mit Klimaanlage gekommen; dort sind die Polster etwas bequemer und es gibt Decken und Kissen. Es war aber sehr kalt und jemand hat fies geschnarcht ^^ Zum Abendbrot gab es Puri und typischen indischen Reis mit „Soße“ (ölig, mit Gewürzen, oft braun oder gelb und schaaaarf XD); Anja und ich haben schöne Bilder aus der Türe des Wagons gemacht, weil man unsere Fenster natürlich nicht wegen der Klimaanlage öffnen konnte. Die Landschaft war sehr schön, man hat wirklich die großen Steinblöcke gesehen, die wie hingeworfen aussehen, dafür ist Karnataka ja bekannt. Ich wollte auf der Fahrt Radio hören, aber außerhalb der Städte habe ich keinen Sender reinbekommen, aber Mobilfunknetz gab es. Ich habe eine Frau gesehen, die Büffel gehütet hat und Feldarbeiter; Straßen gab es so gut wie keine. Dem Zug haben zwei Kinder auf einem Fahrrad zugewunken, natürlich haben wir den Gruß erwidert, und wir haben einen atemberaubenden Sonnenuntergang gesehen. Der Zug war sehr lang, bestimmt 400 Meter mit einer altmodischen Lock, die anscheinend noch mit Diesel gefahren ist und deshalb noch eine Rauchwolke zu sehen war. Das waren die schönen Momente der Reise, allerdings hatten wir seltsame Sitznachbarn, die aber erst später zugestiegen sind, eine Familie mit einem Sohn von ca. sieben Jahren. Sie hatten nur zwei Plätze gebucht, also auch nur zwei Pritschen, weshalb sich Vater und Sohn eine Pritsche geteilt haben; der arme Junge hatte dazu noch eine echt üble Erkältung. Das hat mich wirklich gewundert, denn die Frau hat einen Seidensari getragen und wenn man schon besser reist, dann richtig, oder? Außerdem war noch eine Pritsche in unmittelbarer Nähe frei, die hätte ich mir doch glatt gekrallt? Naja, wie dem auch sei, ich habe sogar etwas geschlafen (war diesmal in der Mitte), und hatte einen Traum von einer Busfahrt; wir sind einen Berg hochgefahren und im Tal war eine große Stadt, aber die Straße war unbefestigt am Rand und sehr steil, und an der Kurve ist der Bus dann abgestürzt… ^^ Das kam bestimmt vom vielen Rütteln und den Geräuschen, die einen schon mal ans entgleisen denken lassen. Trotzdem fand ich die Zugfahrt relativ entspannt, gerne wieder. Zugfahrten im Norden Indiens sollen nicht so angenehm sein, laut Elika sind die Züge schmutziger und man wird eher angemacht oder evtl. beklaut; interessiert beobachtet wird man ja sowieso, aber daran gewöhnt man sich, man kann es den Leuten ja irgendwie nicht verübeln und solange es dabei bleibt, was solls?
Am Dienstagmorgen hatte ich meinen Spanischtest, ich war leider fünf Minuten zu spät, habe aber als erstes abgegeben, der Test war nicht sonderlich schwer. Letzten Donnerstag haben wir in Gruppen gearbeitet, wir sollten uns auf Spanisch Fragen über unsere Familien stellen, ich hatte insgeheim großen Spaß; der junge Mann der mir gegenüber saß habe ich gefragt ob er verheiratet ist, war er aber nicht, und dann habe ich ihn gefragt ob er Kinder hat XD Daraufhin war er leicht entrüstet und hat zu einer Inderin was entsprechendes auf Hindi gesagt, hihi.
Und jetzt noch was Interessantes zum Schluss, momentan sind ja die World Military Games in Hyderabad, und die Deutschen mischen auch mit, XD:
Kein Einsatz, aber Übelkeit
Wer sich von den WSV-Kickern nichts schlimmeres als das heute endende Trainingslager im Sauerland vorstellen kann, der sollte mal bei Marco Neppe nachfragen. Der Rechtsverteidiger der Wuppertaler ist momentan auf großer Fahrt – unterwegs mit der Bundeswehr-Nationalmannschaft bei der Militär-Weltmeisterschaft im indischen Hyderabad. Mit den Bedingungen, die Michael Ballack und Co. bei ihren Reisen vorfinden, haben die Umstände in Indien allerdings nichts zu tun.
“Wir sind nicht im Hotel untergebracht, sondern in einer Art Kaserne”, klärt Neppe auf. Das bedeutet für ihn und seine prominenten Mitspieler wie Alexander Eberlein von 1860 München, dass statt bequemer Betten eine Pritsche im Zwölf-Mann-Zimmer wartet. “Überall hängen extreme Moskito-Netze, die sind aber auch dringend nötig”, berichtet der 21-Jährige.
Im Vergleich zum Essen ist das freilich noch angenehm. “Die Mahlzeiten sind wirklich schlimm. Im Prinzip kann man nur trockenen Reis zu sich nehmen”, bemerkt Neppe, der als Wehrdienstleistender in der Sportfördergruppe Köln-Longerich untergebracht ist. Pünktlich zum ersten Gruppenspiel am Freitag gegen Kamerun, das 1:1 endete, hatte es auch ihn erwischt. Wegen einer Magenverstimmung musste er die Partie absagen, die der Auftakt zur “Operation Gold” war. “Das hat bei uns in der Mannschaft schon die Runde gemacht, aber mittlerweile geht es mir wieder besser”, betont der Ex-Frankfurter.
Daher dürfte er auch im zweiten und abschließenden Vorrunden-Match am Sonntag gegen Korea in der Startelf stehen. Vermutlich werden sich auch dann nicht mehr als die 400 Zuschauer im Stadion versammeln, die schon gegen Kamerun dabei waren. Wenn alles gut läuft – und damit ist das vorzeitige Ausscheiden gemeint – könnte Neppe schon am morgigen Montag zurückreisen. Bereits im Vorfeld hat sich der Youngster einen Flug gesichert. Allerdings versäumt nur der Letzte den Einzug ins Viertelfinale. Daher dürften wohl noch einige Tage drangehängt werden, bis zum Endspiel maximal eine Woche. “Mal abwarten, was passiert”, will sich Neppe noch nicht zu früh mit der vorzeitigen Rückkehr befassen.
Gelegen käme sie ihm aber durchaus, allein schon wegen des Klimas. “Es ist brutal heiß hier, mittags sind es mindestens 35 Grad”, stöhnt der Defensiv-Mann. Auch deshalb würde er nur zu gern bald heimkehren: “Ganz ehrlich, ich freue mich schon auf Wuppertal.”










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